Artist Statement

Artist Statement

Mein künstlerisches Selbstverständnis weigert sich, mich in einem zu engumrissenen thematischen oder formalen Arbeitsfeld verorten zu lassen. Es ist wohl vor allem eine Zurückweisung von fremden Kategorisierungsversuchen und von damit einhergehenden Schubladisierungen. Dennoch kann ich teils starke Neigungen und Interessen nicht leugnen, die ich auch leidenschaftlich verfolge. Formal kann ich eine gewisse Vorliebe zum Gegenständlichen nicht verhehlen und Einflüsse aus Pop Art, Hyperrealismus, und Surrealismus sind in den Arbeiten gewiss spürbar. Dennoch fühle ich mich frei – je nach Intention – Darstellungsart, Medium, und Stil auszuwählen. Es existiert für mich – trotz offensichtlicher Vorlieben – also kein bewusst einzuhaltendes formales Prinzip, das alle Arbeiten umfassen muss.

Das Konzept der einzelnen Arbeit ist immer das Bestimmende in deren Umsetzung. Es ist das Herzstück, das – sollte es nicht zur Ausführung kommen – auch mal für sich stehen kann. Für sich stehen aber muss es, wenn es mir die passende künstlerische Ausdrucksweise erscheint und somit Werk für sich ist. Aber das – und dies möchte ich betonen – ist eine der Situation geschuldete Ausnahme. Ich selbst erwarte von Darstellender Kunst optische Präsenz. Ich möchte Kunst machen, die möglichst viele Menschen erreicht. Das gelingt, was Skulptur, Objekt oder Installation betrifft, meiner Meinung nach, über den visuellen Reiz unmittelbarer als über eine intellektualisierte sprachliche Darstellung, die dem Besucher viel Geduld und Imaginationsvermögen abverlangt. Man erreicht dadurch oft nur eine „elitäre“ Gruppe. Diese möchte ich keinesfalls ausschliessen, dennoch erscheint es mir notwendig, auch die überwiegende Mehrheit, einschliesslich dem weniger kunstinteressierten Publikum, in irgendeiner Art zu erreichen. Ich versuche, dem Betrachter unterschiedliche Ebenen der Auseinandersetzung zu ermöglichen. Das „Zugangstor“ bleibt aber das Visuelle, das Interesse auslösen soll. Dabei darf es dem Betrachter auch „förmlich ins Auge springen“.

Diese grundsätzliche Einstellung, die einen wesentlichen Einfluss auf die Umsetzung hat, begründet sich zum Teil auch aus den Inhalten. Sie speisen sich aus Fragen der Philosophie, der Psychologie und Fragen zur Gesellschaft. Es geht mir besonders um das Ursprünglichste, die Verwunderung über die Welt, die uns Ratlosigkeit und Fragen abringt und alle Menschen erfasst und ohne Unterschiede auf einer Ebene bindet. Die menschliche Existenz und all die Daseinsfragen, die uns seitunserem Anbeginn bedrängen, die wir ängstlich durch Betriebsamkeit zu verdrängen suchen, bis sie sich leise wieder ins Bewusstsein bohren oder uns mit einem mächtigen Schlag des „Schicksals“ überwältigen, müssen wieder Inhalt einer ernstzunehmenden Kunst sein. Der Mensch in seiner Widersprüchlichkeit eingebettet in einer Welt voller Widerspruch, sein konfliktbehaftetes „In der Welt sein“, sein „Alles Hinterfragen“ bis weit über die Grenzen der Absurdität hinaus, bis vor die Tore des Nihilismus und hindurch, sein Sehnen und Suchen nach Erlösung stelle ich in den Mittelpunkt meines Interesses. Dabei ist es mir wichtig, diese nicht in einer abgehobenen und überintellektualisierten Art der Darstellung zu kommunizieren, sondern in einer dem menschlichen Empfinden zugänglichen Weise. Entspricht dies dem unmittelbaren Wirkungsvermögen der Bilder im Allgemeinen ohnehin, so versuche ich meinerseits durch eine gewisse Präsenz in der Darstellung eine Steigerung zu erreichen. Es soll berühren, schockieren oder verwirren, zum Lachen oder Weinen anregen.

Es ist der Entwurf eines „Skeptischen Existenzrealismus“. So möchte ich das Vorhaben benennen. Dieser versteht sich nicht durch eine naturalistische Abbildung von Alltagssituationen, sondern im Versuch der Umsetzung der erwähnten Seinsproblematik in der Mannigfachheit ihrer Erscheinungen unter Einbeziehung körperlicher, psychischer, emotionaler und symbolischer Aspekte. Es ist der Versuch einer Abbildung der existenziellen Situation des Menschen, einer umfassenden pluralistischen Seinswirklichkeit, wie sie sich ihm nach seinem Vermögen darstellt. (Wahrnehmung, Erkenntnisfähigkeit, emotionale, psychische Befindlichkeit, Phantasie, Kausalsuche und -konstruktion, Wirklichkeitskonstruktion, menschliche Sinnwirklichkeit…)

Da sich mir aber auf Erden – so wie vielen vor, mit und gewiss auch nach mir – in den meisten Erlebnissen mehr Fragen als verlässliche Antworten auftun, gebe ich diese Fragen nur in anderer Form an die Betrachter weiter. Lösungen bleiben aus oder sind bestenfalls als Möglichkeit angedeutet. Im Grunde ist es ein Erinnern an diese stets vorhandenen Fragen und ihre Unbeantwortetheit, die oft aufgrund der unangenehmen Empfindungen, die sie auslösen, verdrängt werden; ja teils vielleicht verdrängt werden müssen, um im Alltag leben zu können. Die Metaphysik und die Ontologie und die beiden immanente Unlösbarkeit ihrer Fragestellungen spielen dabei eine entscheidende Rolle. Das Gefühl des Absurden, wie es Albert Camus beschreibt, aber auch die Sehnsucht, die in den Phänomenen der Religionen und artverwandten Strömungen zu Tage tritt, tauchen in meinen Arbeiten auf. So entsteht ein Panoptikum des Menschen in seiner objektiven und subjektiven existenziellen Realität und seinen phantastischen Befreiungsversuchen. Zu wiederholen ist, dass meine künstlerische Ausrichtung keine formale sondern eine inhaltliche ist.

Trotzdem ich mein derzeitiges Interessensterritorium abgesteckt habe, möchte ich abschließend darauf hinweisen, dass das, was derzeit der „Main Plot“ meiner Arbeit ist, nicht zwingend gleich bleibt. Auch einzelne Arbeiten können jederzeit ausscheren und sich mit anderen Themen befassen. Da einerseits Veränderung die einzige Konstante im Leben zu sein scheint, andererseits aber die Psychologie die Wiederholung bestimmter Themen als Verhaltensmuster kennzeichnet und man sich letztlich seiner selbst auch nicht so sicher sein kann, wäre eine Zukunftsprognose unter so unsteten Bedingungen auch mehr als unseriös.

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